Mittwoch, 12.12.2018 09:17 Uhr

Chaos-ICE

Verantwortlicher Autor: Michael Hofmann Frankfurt am Main, 21.05.2018, 22:26 Uhr
Presse-Ressort von: Michael Hofmann Bericht 6802x gelesen
ICE-Züge im Münchener Bahnhof
ICE-Züge im Münchener Bahnhof  Bild: Michael Hofmann

Frankfurt am Main [ENA] Ich reise viel mit der Deutschen Bahn und habe schon einiges erlebt. Doch das, was die Bahn sich am 13. Mai 2018 erlaubt hat, schlägt alles bisher Dagewesene. Da waren fehlende Plätze, ein massiv überfüllter Zug, ein nicht angefahrener Bahnhof und mehr.

Der ICE 628 von München nach Dortmund verkehrte dieses mal ohne die Wagen 31 bis 39, so dass Passagiere, die in einem dieser neun Wagen eine Platzreservierung hatten, aufgefordert waren, sich in einem anderen Wagen einen freien Platz zu suchen. Glücklicherweise hatte ich eine Reservierung in Wagen 29, also einem Wagen, der auch wirklich existierte. Doch das Chaos, was hierdurch entstand, ging nicht an mir vorbei.

Nun hätte man ja seitens der Deutschen Bahn Personal zur Verfügung stellen können, dass diesen Fahrgästen mit Rat und Tat und vor allem einer Liste mit freien Sitzplätzen zur Seite hätte stehen können. Aber das scheint außerhalb des DB-Servicegedanken zu sein. Und so hat man die Reisenden, darunter Familien mit kleinen Kindern, allein gelassen. Mit jedem Halt und neu zugestiegenen Fahrgästen wurde es dramatischer. Bereits nach dem dritten Halt in Würzburg saßen Fahrgäste beider Klassen mangels freier Sitzplätze auf dem Boden.

Unweit von mir saß eine Mutter mit ihren zwei kleinen Kindern auf dem Boden. Wohlbemerkt hatten alle drei eine Sitzplatzreservierung – nur leider für Wagen 38, den es ja wie 8 andere Wagen nicht gab. Und als wäre das nicht genug, erfuhren die Fahrgäste so nebenbei, dass dieser ICE wegen Bauarbeiten den Bahnhof Köln Messe/Deutz nicht anfährt. Neben mir stand eine Frau, die aber genau dorthin wollte und auch ein Ticket für diese Strecke in der Hand hielt. Da ich in Frankfurt ausgestiegen bin, kann ich leider nicht sagen, wie und ob diese Frau und andere betroffene Fahrgäste an ihr Ziel kam.

Dem allen nicht genug. In diesem ICE fuhren auch Gäste mit, die eigentlich mit dem ICE 720 ab München fahren wollten, dieser aber bereits weg war, als sie pünktlich zum Bahnhof kamen. Ohne Vorwarnung ist der ICE 720 ganze 20 Minuten früher losgefahren. Warum dies so war, konnte auch niemand sagen. Die Auskunft der Zugbegleiterin auf die Frage aufgebrachter Gäste, warum es keine Durchsagen gibt, war, dass man mit einem Sparpreisticket verpflichtet sei, zwei Tage vorher nochmal zu kontrollieren, ob die Verbindung auch wie angekündigt fährt. Und über den fehlenden Halt in Köln Messe/Deutz hatte sie auch keine Information. Das einzige, was sie wirklich zu interessieren schien, war, ob noch jemand zugestiegen sei. Servicewüste Deutsche Bahn!

Was fast schon normal bei der Deutschen Bahn ist, ist dass das so hoch angepriesene WLAN im ICE nicht funktionierte. Selbst wenn man mal eine Verbindung bekam, war es so langsam, dass man sich schon fast ein 56k-Modem zurückgewünscht hätte. Und „maxdome onboard“ funktionierte natürlich auch mal wieder nicht. Die Techniker, die angeblich informiert seinen und an einer Lösung arbeiteten, scheinen die gleichen zu sein, die den Berliner Flughafen bauen. Denn dieses Problem gibt es nun auch schon mehrere Monate.

Kein Internet trotz WLAN

Natürlich habe ich der Deutschen Bahn Gelegenheit gegeben, sich zu den Vorfällen zu äußern. Eine Sprecherin der Deutschen Bahn nahm wie folgt Stellung. Aufgrund von Bauarbeiten konnte der ICE 628 am 13.05.2018 nicht in voller Länge fahren. Zudem konnte baubedingt der Halt Köln Messe/Deutz nicht angefahren werden. Das entspricht nicht dem Qualitätsanspruch der Deutschen Bahn. Wir bedauern die Unannehmlichkeiten für die Fahrgäste sehr.

Zudem schreibt sie, dass es am Sonntag aufgrund des langen Wochenendes ein überdurchschnittlich starkes Reisendenaufkommen gab. Es gab mehr Reisende im Zug, als tatsächlich mitfahren konnten. Um die Fahrt fortsetzen zu können, haben die Mitarbeiter an Bord des Zuges Reisende gebeten, andere Züge zu nutzen. Dafür erhielten die Fahrgäste einen Reisegutschein in Höhe von 30 Euro. Außerdem, so die Sprecherin der DB, haben Reisende mit einer Reservierung in einem entfallenen Wagen die Reservierungskosten erstattet bekommen.

Ach so, natürlich hatte der ICE von Anfang an Verspätung. Hätte ich fast vergessen zu erwähnen, weil es ja schon zur Norm gehört. Zu hoffen bleibt, dass die Fahrgäste, die nach Köln Messe/Deutz wollten, ohne größere Probleme ihr Ziel noch rechtzeitig erreichten konnten und dass die Bahn aus solch einem Chaos lernt.

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